Cannabis und Religion

Die Religion nimmt im Leben vieler Menschen einen wichtigen Platz ein. Und für viele verschiedene Glaubensrichtungen ist Cannabis eine heilige Pflanze. Verschiedene Religionen haben sich Cannabis zu eigen gemacht und verwenden es für spirituelle Praktiken. In diesem Artikel werden wir uns die unterschiedlichen Ansichten und Einstellungen zu Cannabis in verschiedenen Religionen auf der ganzen Welt ansehen und herausfinden, ob Cannabis gegen Ihre Religion verstösst oder nicht.

Der Stellenwert von Cannabis in der Religion

Cannabis hat seit Jahrhunderten eine tiefe spirituelle Bedeutung für Menschen verschiedener Glaubensrichtungen. Darüber hinaus ist es eine der Pflanzen, die von der Menschheit als heilig angesehen und bei religiösen Zeremonien und anderen Aktivitäten verwendet wurde. Nachdem die Pflanze ins Feuer oder in glühende Kohlen geworfen worden war, atmeten die Menschen in der Nähe die Rauchwolken ein und hatten das Gefühl, mit ihrer Gottheit in Kontakt zu stehen.

Die ältesten Belege für die Verwendung von Cannabis zu religiösen Zwecken gehen auf das Jahr 2700 v. Chr. zurück. Die Blüten und Samen einer Cannabispflanze wurden im Grab eines Schamanen der Turpan-Becken-Kultur im Westen Chinas gefunden. Sie waren in einem Korb und einer Schale neben dem Kopf und den Füssen des Schamanen platziert worden.

Berühmte Persönlichkeiten der Vergangenheit haben den heiligen Status von Cannabis beschrieben. Herodot zum Beispiel schrieb um 440 v. Chr. über die antiken Bestattungsriten der Skythen, einem Nomadenvolk aus Zentralasien. Wie sahen diese aus? Sie sassen in geschlossenen Zelten, in denen Hanfsamen auf heisse Steine geworfen wurden, um sie zu verglühen.

Einstellungen der grossen Religionen zu Cannabis

Die Cannabispflanze ist seit der Antike der Grund für religiöse Bewegungen. In diesem Abschnitt erfahren Sie, wie die Pflanze in verschiedenen Religionen auf der ganzen Welt verstanden wird.

Christentum

Was sagt die Bibel über den Cannabiskonsum von Christen? Eigentlich enthält sie keine genauen Informationen zu diesem Thema. Allerdings schreibt die Bibel vor, dass die Menschen die Gesetze befolgen und ihre Vorgesetzten respektieren sollen. Sie weist ihre Leser*innen auch an, Rauschzustände zu vermeiden. Dies kann als Erlaubnis interpretiert werden, Hanf (Cannabis mit niedrigem THC-Gehalt) zu konsumieren, wenn das Gesetz dies zulässt, denn Studien zufolge ist CBD, der Hauptbestandteil der Hanfpflanze, nicht berauschend und nicht psychoaktiv.

Die Bibel lehrt die Christen auch, die Überzeugungen der anderen zu akzeptieren. Wenn zum Beispiel eine Christin oder ein Christ glaubt, dass der Verzehr eines bestimmten Lebensmittels eine Sünde ist, ist es für sie resp. ihn eine Sünde, es zu essen, während andere Christ*innen ohne eine solche Überzeugung dieses Lebensmittel bedenkenlos essen können. Dies kann auch bei Cannabis der Fall sein. Manche halten alles, was mit dieser Pflanze zu tun hat, für eine Sünde, während andere glauben, dass Gott diese Pflanze für unseren göttlichen Gebrauch geschaffen hat.

Christ*innen, die den Konsum von Hanf in Erwägung ziehen, sollten sich zunächst über den THC-Gehalt des Hanfs informieren. Sie sollten auch den Rat ihres Gesundheitsdienstleisters einholen. Es wäre für jeden klug, Gottes Plan und Ziel für sein Leben zu bedenken, wenn er sich möglicherweise mit körperlichen oder geistigen Gesundheitsproblemen beschäftigt. Wenn jemand um Führung betet, wird Gott den Wunsch ehren, ihm in allen Entscheidungen zu gefallen.

Islam

Auch im Islam hat Cannabis einen festen Status. Tatsächlich gibt es kein ausdrückliches Verbot von Cannabis im Koran oder in der Sunna. Im Islam gibt es zwei Hauptpositionen für verschiedene Produkte und Verbindungen: halal (erlaubt) und haram (verboten). Gemäss der Religion ist Rausch in jeder Form und in jedem Ausmass verboten. Den Menschen wird geraten, sich von allen Produkten und Substanzen fernzuhalten, die die geistigen Fähigkeiten, das Bewusstsein, das Verhalten, die Handlungen, die Klarheit des Geistes und den gesunden Menschenverstand einer Person beeinträchtigen können.

Wie aus der Wissenschaft zu erfahren ist, ist CBD, eines der in der Pflanze enthaltenen Cannabinoide, eine nicht psychoaktive Verbindung und kann den so genannten “Entourage-Effekt”, d. h. das “Highwerden”, nicht hervorrufen. Ein anderer Bestandteil der Pflanze, THC, hat dagegen die gegenteilige Wirkung und gilt als schädlich.

In Anbetracht all dieser Informationen kann nur Hanf, der kein THC enthält, im Islam halal sein. Bei den verschiedenen CBD-Produkten ist es wichtig zu prüfen, woraus die gekauften Produkte bestehen, genau wie bei Lebensmitteln oder Medikamenten.

Hinduismus

Der Forschung zufolge gilt der Hinduismus als das offensichtlichste Beispiel für die Verwendung von Cannabis zu religiösen Zwecken. Bereits 1000 v. Chr. verwendeten die Hindus die Pflanze in religiösen Zeremonien. Die Pflanze wurde bei den Anbetungsritualen der Göttin Shiva gegessen. Darüber hinaus wird sie während des Holi-Festes in einem religiösen Getränk namens Bhang konsumiert.

Im Mittelalter tranken Soldaten vor der Schlacht oft Bhang, so wie westliche Menschen einen Schluck Whiskey trinken würden. Cannabis ist in Indien seit den frühesten Zeiten beliebt und wird häufig als Getränk konsumiert. Nüsse und Gewürze wie Mandeln, Pistazien, Mohn, Paprika, Ingwer und Zucker werden mit Cannabis vermischt und mit Milch gekocht. Anstelle von Milch wird auch Joghurt verwendet. Bis heute spielt Bhang eine wichtige Rolle in der indischen Spiritualität und Kultur.

Im Atharvaveda, einem der vier heiligen Texte des Hinduismus, wird Cannabis als eine der fünf heiligsten Pflanzen der Erde aufgeführt. In dem Text wird es auch als “Quelle des Glücks” und “Befreier” bezeichnet.

Derzeit regelt das Gesetz über Betäubungsmittel und psychotrope Stoffe (Narcotic Drugs and Psychotropic Substances, NDPS) von 1985 den Konsum von Cannabis in Indien. Während das Gesetz den Verkauf und die Verwendung von Cannabisharz und -blüten verbietet, erlaubt es die Verwendung von Samen, Stängeln und Blättern. Kurz gesagt: Bhang ist legal.

Buddhismus

Cannabis wurde in der hinduistischen Kultur bereits 1500 v. Chr. verwendet, und seine antike Verwendung wird in den Veden bestätigt. Im Allgemeinen akzeptieren viele Buddhisten*innen die Verwendung von medizinischem Cannabis für die mögliche Behandlung verschiedener körperlicher und geistiger Probleme. Das Fünfte Gebot wird jedoch oft als “Enthaltung von berauschenden Getränken und Drogen, die zu Unachtsamkeit führen” oder “Verzicht auf die Einnahme von Rauschmitteln” interpretiert. In einigen anderen Übersetzungen bezieht sich das Fünfte Gebot speziell auf Alkohol.

Die Religion selbst konzentriert sich mehr auf die persönliche spirituelle Entwicklung ihrer Anhänger*innen. Obwohl die Schriften sie nicht ausdrücklich verbieten, weisen sie darauf hin, dass es für ihren Gebrauch einen legitimen Grund geben muss. In einem Interview wurde der Dalai Lama gefragt, ob er den Gebrauch von Cannabis befürworte. Seine Antwort war: «Nein, niemals. Solche Substanzen werden normalerweise als Gift betrachtet, sehr schädlich. Aber bei bestimmten Krankheiten wird es manchmal absichtlich eingesetzt. Es kommt also auf den Arzt resp. die Ärztin oder die Wissenschaftler*innen an. Die Fähigkeit, die Realität zu beurteilen, ist etwas ganz Besonderes. Unser Gehirn ist etwas Besonderes. Wenn es geschädigt ist, ist das schrecklich. Alkohol und Drogen sind also sehr schlecht.»

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Cannabis im Buddhismus verwendet werden kann, allerdings zu dem besonderen Zweck, möglicherweise bestimmte Krankheiten zu behandeln. In diesem Fall ist der Hauptgrund nicht das Produkt, das man zu nehmen beabsichtigt, sondern die Ursache des Konsums.

Judentum

Auch im Judentum hat Cannabis einen festen Status. Diese Frage ist jedoch nicht so eindeutig zu beantworten, da die Antwort auf diese Frage “ja” und “nein” lauten kann.

 

Das Judentum erlaubt seiner Glaubensgemeinschaft, viele Dinge zu konsumieren, die an sich nicht heilig sind, als Teil des Bemühens, die Verantwortung für die Erhaltung eines gesunden Körpers, Geistes und einer gesunden Seele zu erfüllen, und auch als Teil des Genusses von Gottes Gaben, selbst wenn sie nicht direkt mit Gesundheitsfragen zusammenhängen. Darüber hinaus wird von der Person verlangt, Gottes Gebote zu befolgen, Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen und an der Schaffung einer besseren Welt mitzuwirken. Ob der Freizeitkonsum von Cannabis in diese jüdische Beschreibung der Natur und des Zwecks des Lebens passt, hängt davon ab, welche Auswirkungen er hat. Wenn es die Schmerzen sterbender Patient*innen lindert, dann kann es dies nicht nur tun, sondern es müssen auch Anstrengungen unternommen werden, um es ihnen legal zugänglich zu machen. Kurzum, Cannabis ist nicht von Natur aus schlecht oder gut.

Fast alle jüdischen Denker sind daher der Meinung, dass der Freizeitkonsum von Cannabis nicht erlaubt ist. Nur medizinische Zwecke können in der Religion angemessen sein.

Abschliessende Überlegungen

Dies sind einige der Ansichten und Meinungen über Cannabis, wie sie von verschiedenen Religionen auf der ganzen Welt interpretiert werden. Auf dieser Reise von der Vergangenheit in die Gegenwart möchten wir Sie daran erinnern, dass Cannabis mit hohem THC-Gehalt (0,2, 0,3 oder 1,0 %, je nach Land oder Region) heutzutage verboten ist. Es ist daher äusserst wichtig, die für die Pflanze geltenden lokalen und internationalen Rechtsvorschriften sorgfältig zu prüfen und nur Hanf (Cannabis mit niedrigem THC-Gehalt) zu verwenden. Unsere Blog-Artikel sind eine grossartige Quelle, um mehr über die verschiedenen Anwendungen von Hanf zu erfahren, also tauchen Sie tief ein, wenn Sie sich für das Thema interessieren.

Sources

  1. The Effects of Cannabidiol, a Non-Intoxicating Compound of Cannabis, on the Cardiovascular System in Health and Disease (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7554803/)
  2. Cannabidiol and Other Non-Psychoactive Cannabinoids for Prevention and Treatment of Gastrointestinal Disorders: Useful Nutraceuticals (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7246936/)
  3. Islam and cannabis: Legalisation and religious debate in Iran (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6153265/)
  4. History of Cannabis in India (https://www.psychologytoday.com/intl/blog/the-teenage-mind/201106/history-cannabis-in-india)
  5. The intoxicating drug of an Indian god (https://www.bbc.com/travel/article/20170307-the-intoxicating-drug-of-an-indian-god)
  6. Does your religion prohibit cannabis use? (https://nationalpost.com/cannabis-culture/cannabis-religion-use/wcm/2c9cb893-1989-4322-8eb0-87a705d69303/amp/)
  7. Religious use of Cannabis (https://masscann.org/education-village/peace-and-love-the-spirituality-of-cannabis/religious-use-of-cannabis/)
  8. The Narcotic Drugs and Psychotropic Substances Act, 1985 (https://www.indiacode.nic.in/bitstream/123456789/1791/1/A1985-61.pdf)
  9. Exclusive: The Dalai Lama Talks Pot, Facebook and the Pope With TIME (https://time.com/8648/dalai-lama-tibet-facebook-pot-pope/)
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